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Große Kölner Münzwaage von 1655

Artikelnummer: Mw30

40 Gewichte, Evertt Odendahl, komplett

Gewicht: 0.5 kg
Sofort lieferbar Lieferzeit: 2 - 4 Tage

Evertt Odendahl, Köln, 1655. 40 Münzgewichte in drei Ebenen, Trompetenenden-Waage, museal

Große Münzwaage von Meister Evert Odendahl aus Köln, Mitte 17. Jh., datiert 1655.

Dunkel gebeizter und ornamental verzierter Kasten (14.7 x 8,9 x 4,0 cm) mit 40 Münzgewichten (alle original erhalten).

Der Kasten verfügt über drei Ebenen: Waagenebene, Deckelfach mit Schieber, Schublade. Dazu ein kleines Fach für die Ausgleichs- (Ass-) Gewichte in der Waagenebene.

Die Münzgewichte haben die Meistermarke von Evert Odendahl, einen Stern unter den Initialen E O.

Es sind fünf Ausgleichsgewichte unter dem Schieber vorhanden (1-2-3-4-10 Ass).

Zugehörige Stahl-Waage mit Trompetenenden in gutem Zustand an grünen Schnüren, voll funktionsfähig.

Auf der dreieckigen Waagschale ist eine Marke vorhanden, das Meisterzeichen des Waagenmachers, Evert Odendal (E O über Stern).

Die Münzwaage ist insgesamt in sehr gutem und komplettem Zustand.

Die Schrift über den Gruben ist fast durchgehend in sehr gutem Erhaltungszustand und gut lesbar.

Die Münzgewichte sind alle von Evert Odendahl. Die unterseitige Meistermarke ist teils schlecht oder unkenntlich abgeschlagen. Die Verpflichtung zur Kennzeichnung aller

Münzgewichte mit der Meistermarke wurde 1653 vom Rat erlassen, aber von den Meistern nur nachlässig und wiederwillig umgesetzt (mehr Arbeit, zusätzliche Kosten).

Der Vergleich der Oberseiten zeigt aber eindeutig, dass alle Münzgewichte von Evertt Odendahl sind, obwohl einige der unterseitigen Meistermarken kaum erkennbar sind.

Es sind keine Fremd-Gewichte (nicht zugehörige oder nachgelegte Münzgewichte) vorhanden!

Die größten Münzgewichte, für die ganzen oder „1er“- Münzen befinden sich in der Waagenebene, im Deckel und in der Schublade befinden

sich die kleineren Münzgewichte, oft für die halben und viertel Münzen (Unterstücke).

In der Waagenebene befindet sich eine Marke, die auf das Holz aufgeprägt ist, ein Schild mit „AA XX“. Dabei handelt es sich um das Zeichen des Ladenmachers.

Dieser fertigte die Holzkästen an, der Inhalt wurde von den Waagenmachern hergestellt. Zeitgenossen von Evert Odendahl waren Bernd Odendahl und Matthias Medtmann (und andere Waagenmacher).


Besonderheiten dieses Münzwaagenkastens

Es ist ganz außergewöhnlich, dass ein Objekt aus dieser Zeit in einem so kompletten und hervorragenden Zustand erhalten geblieben ist.

Selbst weniger gut erhaltene dreistöckige Münzwaagen aus dem 17. Jahr-hundert sind sehr selten. In den meisten Fällen, in denen solche Objekte angeboten werden,

sind diese nicht nur schlecht erhalten, sondern es fehlen auch viele der Münzgewichte und / oder die Waage ist nicht zugehörig oder schadhaft.

Oder die Münzgewichte sind durch Sammlerhand aufgefüllt worden. Da die passenden Münzgewichte natürlich nicht verfügbar sind, hat man dann irgendwelche leidlich

passenden Münzgewichte dazugelegt, die von anderen Herstellern aus einer anderen Zeit und Region stammen, was oft nur mit viel Erfahrung erkennbar ist. Das ist hier aber nicht der Fall.

In diesem Kasten sind ausnahmslos alle Münzgewichte zugehörig, keine Grube ist leer und in keiner Grube liegt ein unpassendes oder nicht zugehöriges Gewicht. Auch die

Münzbilder stimmen exakt überein, was die Zugehörigkeit der Münzgewichte eindeutig beweist, auch wenn die Meistermarke schlecht erkennbar ist.

Die Schlagstempel für die Münzbilder, die individuell von Hand für die Hersteller von Münzgewichten gefertigt wurden (Stempelschneider), sind im Detail deutlich unterschiedlich.

Daher ist es auch für Münzgewichte ohne Meistermarke möglich, den Hersteller anhand des Münzbildes zu bestimmen. Jeder Münzwaagenmacher hatte seinen eigenen Satz an Stempeln für die zahlreichen Münzbilder.

In den Kölner Münzwaagen dieser Größe sind traditionell ausschließlich Münzgewichte für Goldmünzsorten enthalten, keine für Silbermünzen.

Unter dem kleinen Schieber in der Waagenebene befinden sich die Ausgleichs- oder Ass-Gewichte. Diese waren erforderlich, um ein eventuell vorhandenes

Mindergewicht einer Münze zu beziffern und bei Bedarf in Abzug zu bringen. Von diesen Ass-Gewichten sind unter dem Schieber (der mit dem originalen Dorn gesichert ist) fünf Stück

vorhanden (10, 4, 3, 2, 1), vermutlich fehlen zwei (6 und 5 Ass). Der Dorn sichert auch die Schublade, also die unterste Ebene mit fünfzehn Münzgewichten.

Bemerkenswert ist auch, dass der Kasten nur minimalen Wurmfraß aufweist (insgesamt 6 Wurmlöcher), und dass die Beschriftungen durchgehend gut erhalten und leicht lesbar sind.

Die Inschrift auf dem Schiebedeckel lautet:

„Waag und Gewicht macht M: Eüertt Odendal wonende under Helm Schleger in Collen Anno 1655“


Der Hersteller ist unter dem Namen Evert Odendahl bekannt, die unterschiedlichen Schreibweisen des Namens waren in Köln normal. Evert Odendahl hat mindestens vier

unterschiedliche Schreibweisen für seinen Namen verwendet. „Under Helm Schleger“ war eine Straße in Köln, in der mehrere Münzwaagenhersteller tätig waren, auch andere

Handwerksbetriebe waren dort ansässig.

Die vorliegende Münzwaage wurde niemals einer Revision (Besserung, Auffrischung) unterzogen, bei der Münzgewichte zur Anpassung an die im Umlauf befindlichen Münzsorten ausgetauscht worden sind.

Revisionen dokumentieren zwar die Zeitspanne des Gebrauchs, aber es sind dann nicht mehr die ursprünglichen Gewichte enthalten, sondern später hinzugefügte Gewichte (für neue Münzsorten).

Hier sind ausnahmslos die originalen Gewichte von 1655 enthalten.

Literatur zur Identifikation und Informationen: Siehe "Rolf Laufkoetter - Münzgewichte und Münzwaagen aus drei Jahrhunderten von 1580 bis 1880"